Veloland Schweiz?

Veloland Schweiz?

Die Schweiz hat alles, was das Velofahrerherz höher schlagen lässt: abwechslungsreiche Strecken und wunderschöne Natur. Doch wie velofreundlich ist das Land wirklich?

Die Schweiz ein Veloland? Eine nahe liegende Vermutung. Immerhin werden hier beliebte Rennen wie die «Tour de Suisse» oder die «Tour de Romandie» ausgetragen. Regelmässige «Bike to Work»-Kampagnen sollen ausserdem dazu motivieren, auch auf dem Weg zur Arbeit öfter in die Pedale zu treten. Und zahlreiche Institutionen wie zum Beispiel «Swiss Cycling» oder «Pro Velo» bemühen sich, die Eidgenossen mit Aktionen, Veranstaltungen und Kursen in den Sattel zu heben. Trotzdem wird die Schweiz im Ausland nicht gerade als Velofahrer-Nation von Velofahrern wahrgenommen. In einem aktuellen Ranking des Blogs Spokefly landet die Schweiz gar nur auf Platz 8.

Wie velofreundlich ist die Schweiz also tatsächlich? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Daniel Bachofner ist Projektleiter bei «Pro Velo». Die Organisation sucht seit 2006 alle vier Jahre in einer gross angelegten Umfrage die velofreundlichste Stadt der Schweiz. Gerade Grossstädte wie Zürich oder Genf stehen immer wieder in der Kritik, zu wenig für ihre velofahrenden Bürger zu unternehmen.

Die velofreundlichste Stadt der Schweiz
„Wir möchten den Velofahrenden eine Stimme verleihen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Meinung zu äussern“, sagt Bachofner über das Ziel der Aktion „Velostädte“. Und mehr noch: „Die Städte erhalten ein qualifiziertes Feedback über die Verkehrssituation und über die Ergebnisse ihrer Anstrengungen im Bezug auf die Veloförderung.“ Tatsächlich stellt der städtische Verkehr besondere Herausforderungen an die Planung von Velorouten, die dort vor allem von Pendlern genutzt werden. Diese Strecken haben in erster Linie einen praktischen Nutzen und müssen sowohl schnell als auch sicher sein. Wer mit seinem Velo in der Tempo-30-Zone auf Nummer sicher geht, kommt langsamer als Ziel, als jene Fahrer, die sich mit ihrem Velo auf stark befahrene Hauptstrassen wagen und dabei ein Risiko eingehen. Durchgängige Velorouten gibt es in den Städten nur selten, dafür umso mehr Hindernisse, wie Kreuzungen und Ampeln. „Die Kunst liegt also darin, die Veloroute um eine Kreuzung herum zu leiten oder die Kreuzung und die Ampelsteuerung so einzurichten, dass Velos bevorzugt werden“, erklärt Bachofner.

Wie das in der Praxis aussieht, können Velofreunde in Winterthur bestaunen. Die Stadt an der Töss schaffte es im letzten Ranking im Jahr 2014 auf den obersten Platz unter im Grossstädte-Ranking und ist damit offiziell die Vorzeige-Velostadt der Schweiz. Die Umfrage zeigt: Es gibt durchaus sehr gute Vorbilder für velofreundliche Städte in der Schweiz, aber eben auch viel Raum für Verbesserung.

Velofahren auf dem Land
Und wie sieht es auf dem Land aus? Velofahren, so heisst es im Ranking von Sokefly, sei in der Schweiz vor allem ein gesunder Weg, die Natur und Gastfreundschaft der Menschen zu geniessen. Stimmt das? Schöne Landschaften alleine qualifizieren schliesslich noch lange kein Veloland. „Die Schweiz verfügt über ein dichtes Netz aus guten, einheitlich gekennzeichneten Velorouten, das obendrein noch mit zahlreichen Dienstleistungen verknüpft ist“, lobt Lukas Stadtherr von SchweizMobil. Seine Stiftung erschliesst nicht nur neue Strecken durch die schönsten Landschaften der Schweiz, sie koordiniert auch ein breites Netz aus privaten und öffentlichen Partnern. Damit, so Stadtherr, soll ein umfassendes Angebot zur Verfügung gestellt werden, welches Velofreunde direkt und unkompliziert nutzen können.

Auch für Ortsfremde einfach zugänglich
Neben 131 nationalen, regionalen und lokalen Veloland-Routen bietet SchweizMobil auch buchbare organisierte Veloreisen durch die Schweiz. Hotels, Velo-Mietstellen und Servicewerkstätten sind in übersichtlichen Verzeichnissen erfasst. Ausserdem vermittelt SchweizMobil praktische Informationen zu Ausflugszielen und öffentlichen Verkehrsmitteln. So wird die Planung von Velotouren auch für Ortsfremden so einfach wie möglich und Touristen erhalten einen einfachen Zugang zur grossartigen Natur der Schweiz.

Fazit:
Es ist vor allem das unermüdliche Engagement von Institutionen wie «Pro Velo» oder «SchweizMobil», das die Schweiz als Veloland auszeichnet. Missstände werden nicht stillschweigend hingenommen oder umfahren. Stattdessen ist man immer auf der Suche nach neuem Potenzial und innovativen Lösungen, um die Velofreundlichkeit in Stadt und Land zu verbessern. Mit diesem Engagement wird die Schweiz sicherlich bald auch zum international verankerten Veloland.

Immer dem Wasser nach

Immer dem Wasser nach

Entlang der Rheinroute von Veloland Schweiz.

Die Nord-Süd-Route von Veloland Schweiz

Ab in den Süden!

Die Nord-Süd-Route führt quer durch das Land und zeigt auf 365 Kilometern eindrücklich die vielen Facetten, die der Schweizer Landschaft ihren Reiz verleihen.

Die Alpenpanorama-Route von Veloland Schweiz

Hoch hinaus

Die Alpenpanorama-Route verlangt der Kondition einiges ab und belohnt die sportliche Leistung mit wunderschönen Ausblicken.

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Kommentare

Alex |

Leider habe ich bisher sehr viele Negativerlebnisse beim Velofahren in der Schweiz (Kanton Zürich) gehabt. Mit einem Rennvelo ist es nicht immer möglich auf Radwegen zu fahren. Die Aggresivität der Autofahrer überrascht mich immer wieder! Es vergeht beinahe keine Ausfahrt ohne aus dem Auto nicht angeschrien zu werden. Abgedrängt wurde ich ebenfalls schon. Natürlich versuche ich Radwege zu benutzen aber diese Reaktionen kann ich einfach nicht verstehen. Selbst in einem Stadtstaat wie Singapur sind die Autofahrer auf bei weitem mehr befahrenen Strassen toleranter.

 

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